Ortsverband Amberg (U01)
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Neuauflage der ARRL 20’er Jahre Transatlantik Versuche Bericht von DJ5RE, 10/2017
Schon immer war es für mich eine besondere Herausforderung, schwächste CW Signale mit den eigenen Ohren aufzunehmen und diesen Hauch von Nichts im Kopf zu entziffern. Die Krönung dessen war für mich daher jahrelang EME, Erde-Mond-Erde Verbindungen, in CW auf 144 MHz. Als Joe Taylor, K1JT, sein Software-Paket WSJT auf den Markt brachte, war Schluss damit. Die Verbindungen über den Mond wurden nur noch digital abgewickelt. Ich will hier nicht jammern oder diese Entwicklung bewerten. Für mich persönlich war das einfach nichts, weil Ohren und Kopf nicht mehr mitspielen durften. Ich suchte nach Alternativen, wo schwache Signale noch eine Heraus- forderung für den Operator und nicht für die Software darstellen und fand sie sowohl im Bereich „QRP“ auf Kurzwelle, als auch im DX‘en auf den niederen Kurzwellenbändern. Vor allem auf 160m fand ich viele alte Bekannte aus der EME Zeit wieder. Die Liebe zu schwächsten Signalen hatte sie auf den gleichen Pfad geführt.  Unter den ex EME’lern war auch Paul Kelley, N1BUG. Paul wohnt direkt an der Ostküste und produzierte früher auf 20m in Europa stets ein gutes Signal. Er fungierte daher im VHF-Netz auf 14.345 kHz als sichere Verbindung der Europäer nach Nordamerika, wo wöchentlich die Listen für Funkversuche über den Mond aufgestellt wurden. Ohne Paul hätte ich manchen „Sked request“ mit meinem Dipol nicht absetzen können. Später ersetzte das Internet diese Vorgehensweise. Bei unserem „Wiedersehen“ am Topband und anschließend im 160m ON4KST Chat erwähnte Paul, dass er nun, neben dem 160m DX, auch im Bereich „Vintage“ unterwegs sei. Er hätte einen TNT für die 1929 QSO-Party der AWA gebaut. Ich verstand nur Bahnhof. Paul schickte ein Bild eines Röhrensenders und ist seitdem eindeutig der Schuldige für eine Entwicklung, die nun folgte. Ich verliebte mich sofort in diese historischen Brettaufbauten. Seitdem hat sich meine Interessenslage im Hobby ziemlich verändert. „Paul is guilty, no doubt!“ Worum geht es genau? Hinter dem Kürzel „AWA“ steckt die „Antique Wireless Association“ in den USA. In Europa gibt es kein entsprechendes Pendant zur AWA.  Es ist ein Zusammenschluss von funkgeschichtlich interessierten Amateurfunkern. Verschiedene themenbezogene QSO Partys oder Selbstbau- wettbewerbe sollen zum Funkbetrieb mit historischen Gerätschaften animieren. Zudem betreibt die AWA ein Museum und eine Yahoo-Mailingliste. Mich faszinierten die Brettaufbauten, wie sie zur Teilnahme an der „1929 QSO-Party“ erforderlich sind. Folgende Eckpfeiler wurden vom Erfinder dieser Funkaktivität, Bruce Kelley, W2ICE, bei der Einführung 1991 festgesetzt: Verwendung von Schaltungen, die vor 1929 bereits veröffentlicht waren Verwendung von Röhren, die bereits vor 1929 am Markt waren Keine quarzgesteuerten Sender, nur „Freischwinger“ Maximal 10W Input (Neu ab 2017: 25W Input) Warum gerade 1929?  Bruce ging es darum, das Funken zu Zeiten der „Großen Depression“, ausgelöst am „schwarzen Donnerstag“, am 24. Okt. 1929,  noch einmal zu erleben. Damals wurde gespart, wo es ging, um das Hobby auch in diesen schwierigen Zeiten ausüben zu können. Ein Quarz zur Stabilisierung der Frequenz war 1929 und auch in den Jahren danach für den Hobbyfunker meist unerschwinglich! Man verwendete billige NF-Röhren statt der teuren Senderöhren. Wenn eine Schaltung es erlaubte, einen Drehko einzusparen, war das eine willkommene Reduzierung des Bauteilaufwandes. Der Drehko und die Röhren waren schließlich die teuersten Teile eines einfachen Senders. Folgende Schaltungen waren üblich: Hartley Oszillator (in Deutschland auch 3-Punkt Schaltung genannt) TNT: „tuned not tuned“: Eine Sparschaltung! Nur im Anodenkreis war ein Parallelkreis frequenzbestimmend im Einsatz. Im Gitterkreis ersetzte eine einfache Resonanzdrossel einen weiteren Parallelkreis mit teurem Drehko. TPTG: „tuned plate tuned grid“: Eine Luxusvariante, da hier zwei Drehkos im Einsatz waren. Durch Abstimmung des Anodenkreises auf den Harmonischen konnte jedoch ein besserer Ton und bessere Stabilität erreicht werden. Diese Sender sind einstufig und daher auch sehr empfindlich hinsichtlich der sogenannten Antenneneffekte. Im Wind schaukelnde Antennendrähte, selbst ein zappelnder OM an der Taste, führen unweigerlich zu Rückwirkungen auf die Sendefrequenz. Ich beschloss, auch einen solchen Sender zu bauen und entschied mich für einen „Hartley“ mit einer Röhre vom „Typ 27“, einer frühen, aber weit verbreiteten NF-Röhre. Dieser Röhrentyp ist auch heute noch günstig aufzutreiben. Ich wollte schließlich kein Vermögen für seltene Sammlerröhren ausgeben. Ich fand eine NY-627 aus einem Antiquitäten-Cafe in Frankreich, Baujahr vmtl. 1924. Die Röhre zeigte schon eine schwache Emission und der Sender schaffte nur knapp 1W Ausgangsleistung. Ich fuhr damit aber QSOs mit ganz Europa, überwiegend auf 80m und 40m. Hier ein Bild meines Senders:
Später bekam ich aus den USA zwei gepaarte 27‘er Röhren. Im Parallelbetrieb erreiche ich nun satte 4W Ausgangsleistung. Ich fuhr auch etliche Test-QSOs mit Carlo, IZ4KBS. Auch er hatte einen Hartley im Einsatz. Irgendwie war es schade, dass in Europa kaum QSO-Partner mit ähnlicher Interessens- lage existierten. Der Sender verschwand im Keller. Die schöne alte Röhre kann man immer noch gebrauchen:
Eines Tages bekam ich eine Mail von Don, VE3LYX. Er sah den Hartley auf meiner Homepage und lud mich daher ein, mich am AWA Reflektor anzumelden. Ich folgte der Einladung und habe es nicht bereut. Jedes Jahr im Herbst entsteht dort eine gewisse Emsigkeit: Man bereitet sich auf die 1929 QSO-Party vor. Sie wurde zwischenzeitlich in die „Bruce Kelley Memorial QSO Party“ umbenannt. Bruce war mittlerweile verstorben und die Party bekam zum Gedenken an den Initiator und jahrelang sehr erfolgreichen Mitstreiter diese neue Bezeichnung. Bruce Kelleys Rufzeichen, W2ICE, hält nun die AWA als Clubrufzeichen. Das Call wird vom  jeweiligen Vorjahressieger bei dieser Aktion in die Luft gebracht. Die Ausschreibung regelt nur die zu verwendenden Sender, für die Empfänger gibt es keine Vorgaben. Viele Teilnehmer verwenden aber auch historische Empfänger und meist nur einfache Antennen. In den Diskussionen war oft von der Hoffnung von Mitgliedern an der Ostküste Nord- amerikas zu lesen, das AWA Mitglied Steve, VE7SL, an der Westküste zu erreichen. Für ein gültiges QSO im Sinne der „Party“ müssen beide Seiten Sender gemäß den genannten Regeln aufweisen. Ein QSO mit Steve war bisher für viele das „ODX“, die weiteste Verbindung. DX mit diesen alten Kleinsendern? Der Gedanke beschäftigte mich. An DL0AO ist ein umfassendes System aus Beverage-Antennen im Einsatz. Das QTH ist zudem absolut ruhig hinsichtlich lokalen HF-Störungen. Die Antennen verlaufen mitten im Wald. Damit gelingt gerade auf den niedrigen Frequenzen der Empfang von schwächsten Signalen. Ich sah eine Chance, bei ausreichenden Bedingungen auf 80m Funkfreunde aus Nordamerika in der BC-Party empfangen zu können. Die Wahrscheinlichkeit, mit meinem Hartley-Sender umgekehrt auch in den USA auch gehört zu werden, schätzte ich gegen Null ein. Die wenigsten Teilnehmer haben ein separates Empfangssystem! Einzig auf 40m, wo ein 2 Element Beam an DL0AO im Einsatz ist, bestand eine geringe Chance auf ein 2-Weg QSO mit Sendern entsprechend der Ausschreibung. Ich fragte daher am Reflektor nach, ob ein QSO auch dann erwünscht wäre, wenn ich, sollte ich Signale hören, mit modernem Sender anrufen würde. Die Antwort konnte deutlicher kaum sein: Jeder würde für eine Atlantik-Überquerung mit dem Holzbrett-Sender seinen linken Arm geben, egal, ob das QSO zählt, oder nicht! Ich solle unbedingt rufen, wenn ich was höre! Nun war ich dran! Ich suchte mir eine der beiden BC-Nächte im Dezember 2016 aus und gab bekannt, wann ich auf welcher Frequenz zugange sein werde. Als ich an DL0AO ankam stellte ich fest, dass das 40m Band zu war. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich schon einmal Bedingungen erlebt hatte, wo das 40m Band nachts völlig tot war. N1BUG, selbst im Besitz sehr guter RX Antennen, bestätigte die Beobachtung. Mir blieb nur 80m für den Versuch übrig. Ich drehte im Bereich der QRP Frequenzen über das Band und siehe da: Ich hörte tatsächlich jene charakteristischen Signale, die einen deutlich anderen Klang haben, als man es heute gewohnt ist. Das „T“ im RST System hat hier durchaus seine Daseinsberechtigung. Das erste QSO war mit Eric, NO3M, der unter dem Clubrufzeichen W8CDX in der Luft war. Eric ist auch ein bekannter 160m DX’er und verfügt über entsprechende Antennen. Dann konnte ich das Memorial-Rufzeichen arbeiten.W2ICE/4 wurde an dem Tag durch Bill, K4JYS, dem Sieger von 2015, in die Luft gebracht. Bei meiner Gegenstation wurde bei diesem QSO nur ein per Eindrahtleitung gespeister Horizontaldraht, eine „Hertz Antenne“, verwendet. Der Rapport, den ich erhielt, entsprach auch dem, welchen ich vergeben konnte. Das RX-System holte derart viel heraus, dass nur mit Einsatz der PA wieder Balance hergestellt werden konnte. Mit der TX Antenne bei Empfang wäre keines der QSOs möglich gewesen. Später arbeitet ich Bill noch einmal unter seinem persönlichen Call K4JYS. Das ist der Sender von Bill, K4JYS:
Auch wenn diese Kontakte nicht als gültiges QSO in der BC-Party zählten, sorgten sie für einige Aufregung am Reflektor. Etliche Teilnehmer waren bereits zu Bett gegangen, weil in der Party innerhalb Nordamerika nicht mehr viel los war und an ein QSO über den Teich nicht geglaubt wurde. Ich musste versprechen, auch 2017 wieder für solche Versuche zur Verfügung zu stehen. Schließlich gehörte in den frühen 20’ern ein QSO zwischen Nordamerika und Europa zu den absoluten Highlights. Das erste Zweiweg QSO fand im November 1923 auf 100m Wellenlänge statt. Damals, in den 20’ern, war Harold Henry Beverage mit seiner Empfangsantenne schon maßgeblich in die Transatlantik-Versuchsreihen der ARRL involviert. Seine Erfindung ist auch heutzutage noch das Beste, was man zur Verbesserung des Empfangs errichten kann. Dies konnte an DL0AO ein- drucksvoll bewiesen werden. Was alt ist, ist nicht zwangsläufig auch überholt. Es scheint angebracht, nicht jedem neuen Trend blind zu folgen um dann festzustellen, dass „früher alles besser war“.
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